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Biozertifikate in der Aquakultur

Aquakultur gewinnt weltweit an Bedeutung. Laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) stammt inzwischen mehr als die Hälfte des weltweit konsumierten Speisefisches aus Aquakulturen. Zertifizierungssysteme sollen dabei helfen, Umwelt- und Qualitätsstandards sicherzustellen.

Kommentar / Einordnung

Der Markt für Bio-Zertifikate ist kaum noch überschaubar. Zusätzlich sind einige Zertifikate beim Verbraucher nicht hoch angesehen. Als ob das noch nicht chaotisch genug wäre, gibt es alleine für den deutschsprachigen Raum (A, DE, CH) bereits unterschiedlichste Gattungen an Zertifizierungen.

Weiter unten eine kleine Übersicht. Erschwerend kommt hinzu das bei den meisten Zertifikaten die Kriterien für eine Vergabe intransparent sind und teils keine klar definierten Standards vom Zertifikatsaussteller veröffentlicht sind.

Auch gibt es bis heute keine bindenden Vorgaben zur Haltung von Fischen in Aquakulturen, Ausnahme ist die allgemeine Vorgaben der EU-Richtlinie 98/58/EG zu Mindestnormen für den Schutz landwirtschaftlicher Nutztiere und Seuchen-Hygienischen Vorschriften. 2005 hat der Europarat Empfehlungen für die Haltung von Zuchtfischen veröffentlicht, die Ergänzung mit Anhängen zu den einzelnen Fischarten ist aber noch nicht abgeschlossen / Stand 2026-03-01.

Aus Konsumentensicht scheint hier auf fahrlässige Weise ein Flickenteppich mit Selbstbedienungsmentalität der Lobbyvereine entstanden zu sein. Besonders enttäuschend dürfte für Kunden das EU Bio Siegel sein das auf Umwelt und Soziales ganz verzichtet. Bereits diese kurze Zusammenfassung zeigt das eindrücklich.

Wichtige Zertifikate im Überblick

Im Bereich der Aquakultur existieren mehrere internationale Zertifizierungssysteme. Sie unterscheiden sich in Zielsetzung, Kontrollmechanismen und den Anforderungen an Umwelt-, Sozial- und Tierwohlstandards.

ASC – Aquaculture Stewardship Council

Der Aquaculture Stewardship Council (ASC) wurde 2010 vom WWF und der niederländischen Nachhaltigkeitsinitiative IDH gegründet. Ziel ist eine verantwortungsvollere Aquakulturproduktion.

  • Grenzwerte für Umweltbelastung (z. B. Nährstoffe)
  • Monitoring von Fischgesundheit und Mortalität
  • Kontrolle der Futtermittelherkunft
  • soziale Mindeststandards für Beschäftigte

Quelle: https://www.asc-aqua.org

EU-Bio-Siegel

Das EU-Bio-Siegel basiert auf der europäischen Öko-Verordnung. Für Aquakulturen definiert es Mindestanforderungen für ökologische Fischzucht innerhalb der EU.

  • Begrenzung der Besatzdichte
  • Bio- oder nachhaltige Futtermittel
  • Verbot künstlicher Wachstumsförderer
  • kontrollierte Produktionsketten

Quelle: EU-Öko-Verordnung / Europäische Kommission https://agriculture.ec.europa.eu/farming/organic-farming

Naturland

Naturland ist ein privater Bio-Verband mit teilweise strengeren Anforderungen als die EU-Ökoverordnung. Der Standard umfasst ökologische und soziale Kriterien.

  • niedrigere Besatzdichten als EU-Bio
  • umfangreiche Tierwohlkriterien
  • verpflichtende Sozialstandards
  • Transparenz der Lieferketten

Quelle: https://www.naturland.de

BAP – Best Aquaculture Practices

BAP wird von der Global Seafood Alliance betrieben. Das Programm zertifiziert Farmen, Brutstätten, Futtermittelwerke und Verarbeitungsbetriebe entlang der gesamten Lieferkette.

  • Lebensmittelsicherheit
  • Umweltmanagement
  • Kontrolle der Produktionskette
  • Arbeits- und Sozialstandards

Quelle: https://www.globalseafood.org

Friend of the Sea (FOS)

Friend of the Sea ist ein internationales Zertifizierungssystem für nachhaltige Fischerei und Aquakulturprodukte. Es entstand aus einem Projekt des Earth Island Institute.

  • Bewertung der Umweltwirkungen
  • Nachhaltigkeitskriterien für Aquakulturen
  • Kontrollen von Fischerei und Verarbeitung

Quelle: https://friendofthesea.org

Global G.A.P.

Global G.A.P. ist ein internationaler Standard für gute landwirtschaftliche Praxis. Er wird auch im Aquakultursektor verwendet und konzentriert sich auf Produktionsstandards und Lebensmittelsicherheit.

  • Rückverfolgbarkeit der Produktion
  • Lebensmittelsicherheit
  • Dokumentationspflichten für Betriebe

Quelle: https://www.globalgap.org

Vergleich ausgewählter Zertifikate

Kontrolle ASC BAP EU Bio FOS Global G.A.P. Naturland
Besatzdichte geregelt /
Medikamentierung geregelt Ta / MI Ta / MI AW Ta Ta / MI AW
Arbeitsschutz
Umweltschutz
Sozialstandards
Futtermittel Empf.

Legende

  • Ta – Nach tierärztlicher Verschreibung
  • AW – Anzahl Behandlungen und Wartezeit dazwischen geregelt
  • MI – Medikamente mit Genehmigung im Importland
  • – Bestandteile rückverfolgbar
  • Emp – Nur Empfehlungen

Auswahl weiterer Zertifizierungen

  • aha!
  • Bioland
  • Bio Suisse
  • COR
  • COSMOS
  • Demeter
  • Detergents
  • Ecocert
  • Ecopetcare
  • EU-Bio-Siegel
  • EU Organic
  • Food Service (Frankreich)
  • Formulator
  • Migros Bio
  • Naturland
  • Schweizer Bio Verordnung
  • Suisse Garantie
  • Tunesisches Gesetz 99/30
  • VO (EG) Nr. 834/2007 – Gleichwertigkeit

Weiterführende Informationen

EU-Ökoverordnung

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