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Viel Erfolg wünschen wir Ihnen!

Hier ein kurze Erklärung zu FCR - und warum "Sie" nicht mit einem Kilo "Futter" auch ein Kilo Gewicht zu legen... einige Fische aber schon.
Fangen wir mit der Verwertung von Fisch-Futter an, was auf den ersten Blick zu Widersprüchen bei der nötigen Futtermenge führt.
 

Wichtige Praxishinweise & Limitierungen

  1. Wachstum ist nicht linear: Die Formel ist eine starke Vereinfachung. Das Wachstum folgt oft einer sigmoiden Kurve (langsam-schnell-langsam). In der Praxis startet man oft mit einer höheren Anzahl und verdünnt ("thinned") während des Wachstums.
  2. Sauerstoff ist der engste Faktor: Die maxDensity ist meist durch die Sauerstofflöslichkeit im Wasser und die Leistung der Belüftung limitiert, nicht durch das Volumen an sich. 20 kg/m³ ist bereits ein sehr intensiver Besatz und erfordert exzellente Belüftung und Filterung.
  3. Wasserqualität: Ammoniak (NH₃/NH₄⁺) und Nitrit (NO₂⁻) müssen ständig überwacht werden. Das Wachstum der Biofilter-Kapazität muss mit dem Fischbesatz Schritt halten.
  4. Temperatur: Das angegebene Optimum muss stabil gehalten werden. Je niedriger die Temperatur, desto niedriger der Stoffwechsel und desto geringer muss der Besatz sein.
  5. Futtermenge als Steuergröße: In der Praxis steuert man oft über die tägliche Futtermenge in % der Fischbiomasse (Fütterung bei Start (% von Ende), die mit der Zeit sinkt). Die maximale Futtermenge, die das System verarbeiten kann, limitiert letztlich die Fischbiomasse.
 

Empfohlener Workflow

  1. Systemkapazität bestimmen: Wie viel Futter kann Ihre Anlage täglich in Nährstoffe umwandeln (abhängig von Pflanzenfläche, Bakterienvolumen)? Ein grober Anhalt: Pro 1 kg Standardfutter braucht man ~50-100 m² Pflanzenwachstumsfläche.
  2. Rückwärts rechnen:
    • Erntebiomasse (kg) = Tägliche Futtermenge (kg/Tag) * FCR * Wachstumsperiode (Tage)
    • Startbiomasse (kg) = Erntebiomasse / Wachstumsfaktor
  3. Konservativ starten: Besetzen Sie zunächst mit nur 50% des berechneten Maximalbesatzes. Steigern Sie die Futtermenge langsam und beobachten Sie die Wasserwerte (Ammonium, Nitrit, pH, Sauerstoff).
  4. Anpassen: Bei optimalen Wasserwerten kann die Besatzdichte in nachfolgenden Zyklen gesteigert werden.

Fazit: Die größte Kunst der Aquaponik liegt im Balancieren von Fischbesatz, Futtermenge und Pflanzenwachstum.

 

Praxistipp für die Umsetzung

Diese Startwerte gelten für:

  • Gut eingefahrene Biofilter
  • Optimale Temperatur
  • Starke Belüftung (Sauerstoff > 5 mg/L)
  • Regelmäßige Wasserqualitätskontrollen

Start immer mit der unteren Grenze (z.B. 20 Tilapia/m³ statt 25) und steigern Sie erst in späteren Produktionszyklen, wenn Sie Ihr System kennen.

 

 

Die Literatur sagt uns

Verluste durch "Existenz" der Fische: Von 100% gefüttertem Futter gehen verloren:
VerlustquelleAnteil
Atmung & Stoffwechsel 30-45%
Kot (Fezes) 15-25%
Stickstoffausscheidung (NH₄, Harnstoff) 8-12%
Futterreste (unverdaut) 5-10%
Sonstige Verluste 2-5%
→ Als Biomasse gespeichert 40-50%
 

1. Definition: Was misst die FCR wirklich?

FCR (Feed Conversion Ratio)

FCR = Zugeführtes Futter (Frischgewicht)  / Zuwachs an Fisch (Frischgewicht)

FCR ist keine Wirkungsgrad- oder Effizienz-Kennzahl, sondern ein Massenverhältnis auf Frischgewichtsbasis.

 

Beispiel:
FCR = 1,5 bedeutet:
1,5 kg Futter → 1,0 kg Fischzuwachs (Frischgewicht)

? Wichtig:

  • Futter: ~90 % Trockenmasse
  • Fisch: ~70–80 % Wasser
 

2. Warum 40–50 % „Verwertung“ trotzdem zu FCR < 2 passt

2.1 Unterschiedliche Bezugsgrößen

Die Tabelle beschreibt biochemische/physiologische Verwertung:

  • Energie
  • Kohlenstoff
  • Stickstoff
  • Trockenmasse

Die FCR bezieht sich nur auf Frischmasse.

 

2.2 Vereinfachtes Rechenbeispiel

Annahme:

  • 1,5 kg Fischfutter
  • 90% TS → 1,35 kg Trockenmasse
  • Davon 45 % als Biomasse gespeichert
    0,61 kg Trockenmasse Fisch

Der Fischkörper enthält ca. 25–30 % Trockenmasse

0,61 kg TS ÷ 0,27 ≈ 2,26 kg Frischfisch

Selbst bei nur 45 % Nettoverwertung der Trockenmasse entstehen >2 kg Frischfisch.

In der Praxis wird weniger produziert → FCR 1,2–2,0 ist absolut realistisch.

 

3. Der zentrale Denkfehler

„Nur 40–50 % werden gespeichert → FCR müsste >2 sein“

Korrekt ist:

  • 40–50 % der Trockenmasse/Energie
  • werden zu Protein & Fett
  • die durch Wasserbindung zu viel mehr Frischgewicht führen

Wasser ist „kostenlos“ in der FCR.

 

4. Vergleich: Energieeffizienz vs. FCR

KennzahlTypischer Wert
Energieeffizienz Fisch 20–35 %
Proteinretention 30–55 %
Trockenmasse-Retention 35–50 %
FCR (Frischgewicht) 1,2–2,0

Alle Werte sind gleichzeitig korrekt, messen aber verschiedene Dinge.

 

5. Warum Fische trotzdem „so effizient“ sind

Im Vergleich zu Landtieren:

  • ❌ keine Thermoregulation (wechselwarm)
  • ❌ kein Schwerkraft-Skelett
  • ✔ ammoniakalische N-Ausscheidung (energetisch billig)
  • ✔ hohe Wasserbindung pro g Protein

Zitat (sinngemäß):

“Fish are among the most efficient converters of feed into edible flesh due to low maintenance energy costs and high body water content.”
(Tacon & Metian, 2008)

 

6. Fachliteratur (empfohlen)

Bücher

  1. Halver & Hardy (2002)Fish Nutrition
    Academic Press
    → Standardwerk zu Stoffwechsel, Energie- und Proteinverwertung
    https://www.sciencedirect.com/book/9780123196521/fish-nutrition
  2. Jobling (1994)Fish Bioenergetics
    Chapman & Hall
    → sehr gute Erklärung zu Energieflüssen
    https://doi.org/10.1007/978-94-011-0798-7

Review

 

7. Kurzfassung

  • ✔ 40–50 % Nettoverwertung der Trockenmasse ist realistisch
  • ✔ FCR < 2 bezieht sich auf Frischgewicht
  • ✔ Wassergehalt des Fisches „vervielfacht“ Biomasse
  • ❌ FCR ist keine Effizienzkennzahl

Das ist kein Widerspruch – nur unterschiedliche Systemgrenzen

 


 

Tiefergehende Literatur zu diesen Themen, Stand 2025-2026

Peer-reviewed Studien:

  1. Masser, M.P., Rakocy, J., & Losordo, T.M. (1999)
    • "Recirculating Aquaculture Tank Production Systems: Management of Recirculating Systems"
    • SRAC Publication No. 452
    • Zeigt: Nitrifizierungsrate sinkt um ~50% bei Temperaturabfall von 25°C auf 15°C
  2. Chen, S., Ling, J., & Blancheton, J.P. (2006)
    • "Nitrification kinetics of biofilm as affected by water quality factors"
    • Aquacultural Engineering, 34(3), 179-197
    • Dokumentiert Q10-Werte (Temperaturkoeffizient) von 1.8-2.3 für Nitrifizierung
  3. Emparanza, E.J.M. (2009)
    • "Problems affecting nitrification in commercial RAS with fixed-bed biofilters for salmonids in Chile"
    • Aquacultural Engineering, 41(2), 91-96
    • Spezifisch für Forellen: Bei <12°C sinkt Nitrifizierungsrate dramatisch
  4. Zhu, S. & Chen, S. (2002)
    • "The impact of temperature on nitrification rate in fixed film biofilters"
    • Aquacultural Engineering, 26(4), 221-237
    • Empirische Formel: Rate = Rate₂₀°C × 1.103^(T-20)

Praktische Referenzen:

  1. FAO Technical Paper 529 (2009)
    • "Simple methods for aquaculture: Recirculation systems"
    • Tabellen mit Temperaturfaktoren für verschiedene Fischhaltungssysteme
  2. Timmons, M.B. & Ebeling, J.M. (2013)
    • "Recirculating Aquaculture" (3rd Edition)
    • Kapitel 7: Biofiltration
    • Standard-Referenzwerk mit umfangreichen Temperaturtabellen

Biofilter-Effizienz basierend auf Verweilzeit

Peer-reviewed Studien:

  1. Guerdat, T.C., Losordo, T.M., DeLong, D.P., & Jones, R.D. (2010)
    • "An evaluation of commercial-scale recirculating systems for sustainable aquaculture"
    • North Carolina State University
    • Zeigt: HRT (Hydraulic Retention Time) von 15-30 min optimal
  2. Fdz-Polanco, F., Méndez, E., Urueña, M.A., Villaverde, S., & García, P.A. (2000)
    • "Spatial distribution of heterotrophs and nitrifiers in a submerged biofilter for nitrification"
    • Water Research, 34(16), 4081-4089
    • Dokumentiert Zusammenhang zwischen Durchflussrate und Nitrifizierungseffizienz
  3. Rusten, B., Eikebrokk, B., Ulgenes, Y., & Lygren, E. (2006)
    • "Design and operations of the Kaldnes moving bed biofilm reactors"
    • Aquacultural Engineering, 34(3), 322-331
    • Spezifisch für Kaldnes-Medien: Optimale Verweilzeit 20-40 Minuten
  4. Eding, E.H., Kamstra, A., Verreth, J.A.J., Huisman, E.A., & Klapwijk, A. (2006)
    • "Design and operation of nitrifying trickling filters in recirculating aquaculture: A review"
    • Aquacultural Engineering, 34(3), 234-260
    • Umfassende Review mit hydraulischen Berechnungen

Spezifisch für Moving Bed Biofilm Reactors (MBBR):

  1. Hem, L.J., Rusten, B., & Ødegaard, H. (1994)
    • "Nitrification in a moving bed biofilm reactor"
    • Water Research, 28(6), 1425-1433
    • Zeigt: Bei HRT <10 min sinkt Effizienz auf <50%
  2. Summerfelt, S.T., & Cleasby, J.L. (1996)
    • "A review of hydraulics in fluidized-bed biological filters"
    • Aquacultural Engineering, 15(6), 413-430
    • Hydraulische Modellierung verschiedener Filtertypen

Praktische Handbücher & Guidelines:

  1. Engineering Design of Recirculating Systems (Loyless & Malone, 1998)
    • Auburn University Publications
    • Praktische Faustregeln für Hobbyisten und kommerzielle Betreiber
  2. Aquaponics Food Production Systems (Goddek et al., 2019)
    • Springer
    • Kapitel 8: Biofilter Design
    • Moderne Zusammenfassung aller relevanten Parameter
  3. The Conservation Fund's Freshwater Institute

Online-Ressourcen:

  1. University of Florida IFAS Extension
  2. FAO Fisheries and Aquaculture

Wichtigste Kernaussagen aus der Literatur:

Temperatur:

  • Q₁₀ ≈ 2.0 (Verdopplung der Rate bei +10°C)
  • Optimal: 25-30°C
  • <15°C: Deutlicher Rückgang
  • <10°C: Kritisch langsam

Verweilzeit:

  • <5 min: 30-40% Effizienz
  • 10-15 min: 60-80% Effizienz
  • 15-30 min: 80-95% Effizienz (OPTIMAL)
  • 30 min: 95-100% (kaum weitere Verbesserung)

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