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Artikelserie Permakultur Artikel 3 von 8 Mischkulturen & Companion Planting

Mischkulturen sind das praktische Herzstück der Permakultur. Statt einzelne Arten in Reihen zu trennen, werden Pflanzen so kombiniert, dass sie sich gegenseitig schützen, erganzen und den Boden gemeinsam nutzen. Die wissenschaftliche Grundlage reicht von Allelopathie und Rhizosphären-Ökologie bis zu tritrophischen Nahrungsnetzen. Dieser Artikel erklärt die Mechanismen, wertet die beigefügte Freund-Feind-Matrix aus und leitet daraus konkrete Pflanzpläne ab.


Swiss Chard Vegetable Oyster salsify Turnip and Onion 600x8001. Ökologische Grundlagen

1.1 Allelopathie

Allelopathie bezeichnet die Beeinflussung einer Pflanze durch biochemische Stoffe, die eine andere Pflanze in den Boden, die Luft oder durch Gewebezersetzung abgibt. Diese Stoffe können das Wachstum von Nachbarpflanzen hemmen oder fördern. Knoblauch gibt beispielsweise schwefelhaltige Verbindungen ab, die bodenbürtige Pilzpathogene unterdrücken und damit Rosen und Erdbeeren in unmittelbarer Nachbarschaft schützen.[1] Fenchel dagegen produziert Terpene, die das Keimen und Wachstum zahlreicher Gemüsearten hemmen — weshalb er in den gängigen Freund-Feind-Tabellen fast ausschließlich als schlechter Nachbar gelistet wird.[2]

1.2 Rhizosphäre und Nährstoffkreisläufe

Die Rhizosphäre, der unmittelbare Bodenraum um Pflanzenwurzeln, ist ein hochaktiver Lebensraum. Hülsenfrüchte wie Bohnen, Erbsen und Puffbohnen gehen Symbiosen mit stickstofffixierenden Bakterien der Gattung Rhizobium ein und reichern den Boden mit pflanzenverfügbarem Stickstoff an. Nachbarpflanzen, insbesondere stickstoffhungrige Kohlarten und Mais, profitieren davon direkt.[3] Tiefwurzler wie Pastinake und Möhren erschließen Mineralien aus tieferen Bodenhorizonten, die flachwurzligen Pflanzen wie Salat nicht zugänglich sind; nach dem Absterben der Tiefwurzler stehen diese Mineralien über die Zersetzung der Wurzelmasse allen Nachbarn zur Verfügung.[4]

1.3 Tritrophische Interaktionen und Push & Pull

Das Konzept der tritrophischen Interaktion beschreibt Beziehungen zwischen Pflanze, Schädling und Nützling als Dreiecksystem. Pflanzen emittieren bei Schädlingsbefall flüchtige organische Verbindungen (sogenannte herbivore-induced plant volatiles, HIPVs), die parasitische Wespen und andere Nützlinge anlocken.[5] Das darauf aufbauende Push-and-Pull-System kombiniert abstoßende Pflanzen (Push), die Schädlinge vom Kulturbestand fernhalten, mit anlockenden Pflanzen (Pull), die Schädlinge in eine Falle locken oder Nützlinge konzentrieren. Artikel 6 dieser Serie behandelt Push & Pull ausführlich; die Mischkulturplanung in diesem Artikel berücksichtigt das Prinzip bei der Auswahl der Begleitpflanzen.[6]

1.4 Licht, Raum und Wasserkonkurrenz

Neben biochemischen Wechselwirkungen spielen physikalische Faktoren eine entscheidende Rolle. Die klassische nordamerikanische Dreischwesternpflanzung — Mais, Bohne, Kürbis — illustriert die Raumaufteilung exemplarisch: Mais wächst hoch und bietet der Bohne eine Rankhilfe; die Bohne fixiert Stickstoff; der Kürbis breitet sich bodennah aus, beschattet den Boden, reduziert Verdunstung und unterdrückt Unkraut.[7] Jede der drei Arten besetzt eine andere ökologische Nische, ohne die anderen zu verdrängen.


 

2. Die Freund-Feind-Matrix: Methode und Auswertung

Die beigefügte Matrix erfasst 67 Gemüse-, Kräuter- und Blumenpflanzen in einer symmetrischen Paarungsmatrix. Der Wert 1 steht für eine empfohlene Nachbarschaft (Push-Pull-Effekte, Nährstoffsynergien, gegenseitige Schädlingsabwehr), der Wert 0 für eine ungeeignete oder hemmende Kombination. Die Datenbasis entspricht dem Forschungsstand zu Companion Planting, wie er unter anderem bei Riotte (1998) und Pfeiffer (2010) dokumentiert ist.[8][9]

Aus der Matrix lassen sich drei Kategorien ableiten: Pflanzen mit einem hohen Anteil positiver Nachbarschaften (breite Kompatibilität), Pflanzen mit einem hohen Anteil negativer Nachbarschaften (problematische Nachbarn) und neutrale Pflanzen mit ausgeglichenem Verhalten.

2.1 Pflanzen mit besonders breiter Kompatibilitat

Folgende Arten zeigen in der Matrix besonders viele positive Nachbarschaftswerte und eignen sich als strukturierende Leitpflanzen in Mischkultursystemen:

Tabelle 1: Auswahl gut kompatibler Pflanzen aus der Freund-Feind-Matrix (Auszug)
PflanzeGute Nachbarn (Auswahl)Schlechte Nachbarn (Auswahl)Hauptwirkung
Ringelblume Tomate, Bohne, Kürbis, Gurke, Salat, Möhre, Spargel Wurzelausscheidungen hemmen Fadenwürmer (Nematoden); Nützlingsmagnet
Kapuzinerkresse Tomate, Gurke, Kürbis, Mais, Kohlarten Blattlaus-Fallenplanze (Pull); lockt Schwebefliegen an
Borretsch Tomate, Erdbeere, Kürbis, Kohlarten, Bohne Bestaubermagnet; soll Tomatenwurm abschrecken
Basilikum Tomate, Paprika, Gurke, Porree Salbei Flüchtige Öle wirken repellent gegen Blattläuse und Weiße Fliege
Dill Gurke, Kopfsalat, Möhre, Zwiebel, Porree, Kohl Tomate, Fenchel, Karotte (spät) Lockt Schlupfwespen an; Schirmblüten als Nützlingshabitat
Knoblauch Tomate, Erdbeere, Rose, Möhre, Kopfsalat Bohne, Erbse, Kohl Antifungale Schwefelverbindungen; Blattlausabwehr
Tagetes Tomate, Bohne, Gurke Bohne (einige Sorten) Nematodenabwehr durch Wurzelexsudate; Weißmückenabwehr
Erdbeere Knoblauch, Borretsch, Spinat, Zwiebel, Kopfsalat, Porree Kohl, Fenchel Profitiert von Pilzschutz der Nachbarn; bodendecker-kompatibel
Möhre Zwiebel, Porree, Knoblauch, Tomate, Salat, Dill Fenchel, Dill (spat) Zwiebel-/Porreeduft verwirrt Morrübenflieged; klassische Kombination
Tomate Basilikum, Borretsch, Ringelblume, Tagetes, Kapuzinerkresse, Petersilie, Möhre Fenchel, Kohlarten, Mais (eng) Profitiert von fast allen Kräuterbegleitern; starker Push-Pull-Anker

2.2 Problematische Nachbarn

Einige Arten zeigen in der Matrix auffällig viele Nullwerte und sollten räumlich isoliert oder in eigenen Beeten kultiviert werden:

Tabelle 2: Pflanzen mit einigen negativen Nachbarschaftswerten
PflanzeProblemEmpfehlung
Fenchel Terpene hemmen Keimung und Wachstum vieler Gemüsearten; kaum positive Nachbarn in der Matrix Eigenes Beet abseits des Hauptgartens; Dill als einzigen Begleiter tolerieren
Kohl (alle Arten) Starke Stickstoffzieher; unterdrücken empfindliche Nachbarn; viele allelopathische Wechselwirkungen Eigene Beetfläche; Bohne und Dill als Begleiter; Kohlarten untereinander rotieren
Pfefferminze Starke Rhizomausbreitung verdrangt Nachbarn physisch; Terpenabgabe hemmt einige Arten Topfkultur oder Rhizomsperren; positiv als Randpflanze gegen Ameisen
Senf Glucosinolat-Abbauprodukte können Keimung hemmen; als Gründünger nach Einarbeitung unproblematisch Als Gründünger nutzen, nicht als Dauerbegleiter

 

3. Klassische Mischkultursysteme

Die drei Schwestern

Das bekannteste Mischkultursystem stammt aus der indigenen Landwirtschaft Nordamerikas und kombiniert Mais, Bohne und Kürbis. Mais bildet die Rankhilfe, die Bohne fixiert Stickstoff, der Kürbis beschattet und mulcht den Boden. Das System funktioniert in USDA Zone 5 bis 10 und ist fur Flachen ab 4 m² geeignet.[7]

Pflanzabstand: Mais 40 cm, Bohne im Kreis um jeden Maisstengel, Kürbis 80 cm zwischen den Maisgruppen.

Tomate, Basilikum, Ringelblume

Die klassische Mittelmeerkombination für Zone 1. Basilikum verbessert nach verbreiteter Meinung den Geschmack der Tomate und wirkt repellent gegen Blattläuse. Ringelblume hält Nematoden fern und zieht Schwebefliegen an, deren Larven Blattläuse fressen.[8]

Anordnung: Je eine Ringelblume pro Tomatenpflanze; Basilikum in einer Reihe zwischen den Tomatenstaben.

Möhre und Porree

Eine der wissenschaftlich am besten untersuchten Kombinationen. Der Duft des Porrées verwirrt die Möhrenfliege (Psila rosae); der Duft der Möhren hemmt die Porreemotte. Die wechselseitige olfaktorische Tarnung reduziert den Schädlingsdruck beider Kulturen nachweisbar.[5]

Anordnung: Abwechselnde Reihen im Abstand von 20 cm; Ernte des Porrées im Herbst, Möhren bis in den Frost stehen lassen.

Kohl mit Dill und Kapuzinerkresse

Kohlweißlinge und Kohlerdflöhe sind die häufigsten Schädlinge an Kreuzblütlern. Dill lockt Schlupfwespen an, die Kohlweißlingsraupen parasitieren. Kapuzinerkresse am Beetrand zieht Blattläuse als Fallenkultur von den Kohlpflanzen weg.[6]

Anordnung: Kapuzinerkresse als geschlossener Rand; Dill in Gruppen zwischen den Kohlpflanzen; nicht mehr als eine Dillpflanze pro m².

Gurke, Borretsch, Dill

Gurken sind empfindlich gegenüber Mehltau und Spinnmilben. Borretsch als Begleiter zieht Bestauber an und soll Spinnmilben abhalten. Dill lockt Nützlinge und bildet ein Mikroklima, das die Luftfeuchtigkeit um die Gurkenpflanzen erhoht.[9]

Anordnung: Borretsch und Dill je einmal pro zwei Gurkenpflanzen; nicht zu dicht setzen, da Dill bei Blüte Wasser konkurriert.

Erdbeere, Knoblauch, Spinat

Knoblauch schützt Erdbeeren vor Grauschimmel (Botrytis cinerea) durch antifungale Schwefelverbindungen. Spinat als bodendecker Unterkultur hält den Boden feucht und unterdrückt Unkraut, ohne mit den flachen Erdbeerwurzeln zu konkurrieren.[1]

Anordnung: Knoblauchzehen je 15 cm neben den Erdbeerpflanzen; Spinat flächig als Mulchersatz.


 

4. Fruchtfolge und Mischkultur als System

Mischkulturen können die Fruchtfolge nicht ersetzen, aber sinnvoll erganzen. Das Grundprinzip der Fruchtfolge, nämlich keine botanisch verwandten Arten mehrere Jahre hintereinander auf dieselbe Flache zu stellen, gilt in der Permakultur ebenso wie im konventionellen Anbau. Der entscheidende Unterschied: Wahrend die konventionelle Fruchtfolge zeitlich strukturiert (Art A in Jahr 1, Art B in Jahr 2), integriert die Permakultur-Planung zeitliche und räumliche Rotation gleichzeitig.[4]

Ein einfaches Schema für Zone 2 mit vier Beeten: Beet 1 nimmt im ersten Jahr Kohlgewächse auf, Beet 2 Hülsenfrüchte, Beet 3 Wurzelgemüse, Beet 4 Nachtschattengewächse und Kürbis. Im zweiten Jahr rückt jede Gruppe ein Beet weiter. Innerhalb jedes Beetes bestimmt die Freund-Feind-Matrix, welche Begleitpflanzen gesetzt werden.

Tabelle 3: Vierjährige Fruchtfolge mit Mischkultur-Integration (Schema)
BeetJahr 1Jahr 2Jahr 3Jahr 4
A Kohl + Dill + Kapuzinerkresse Hülsenfrüchte + Borretsch Wurzelgemüse + Zwiebel Tomate + Basilikum + Ringelblume
B Hülsenfrüchte + Borretsch Wurzelgemüse + Zwiebel Tomate + Basilikum + Ringelblume Kohl + Dill + Kapuzinerkresse
C Wurzelgemüse + Zwiebel Tomate + Basilikum + Ringelblume Kohl + Dill + Kapuzinerkresse Hülsenfrüchte + Borretsch
D Tomate + Basilikum + Ringelblume Kohl + Dill + Kapuzinerkresse Hülsenfrüchte + Borretsch Wurzelgemüse + Zwiebel

 

5. Grenzen des Konzepts

Die wissenschaftliche Evidenz für einzelne Companion-Planting-Kombinationen ist uneinheitlich. Viele Empfehlungen basieren auf Erfahrungswissen und wurden unter spezifischen Boden-, Klima- und Sortenbedingungen erhoben, die sich nicht ohne Weiteres übertragen lassen. Eine systematische Übersichtsarbeit von Zehnder et al. (2007) stellte fest, dass für einen erheblichen Teil der in der Gartenliteratur genannten Kombinationen keine reproduzierbaren Feldversuche vorliegen.[10]

Dies bedeutet keine Ablehnung des Konzepts, sondern eine Einladung zur eigenen Beobachtung. Wer Mischkulturen anlegt, sollte Anbaubedingungen, Kombinationen und Ergebnisse dokumentieren. Auch negative Resultate sind wertvolle Daten — für den eigenen Garten und, sofern geteilt, für die wachsende Citizen-Science-Datenbasis zu Companion Planting.

Empfehlung zur Dokumentation
  • Pflanztermin, Sorte, Kombinationspartner und Beetposition notieren.
  • Schädlingsbefall und Ernteergebnis im Vergleich zur Monokultur festhalten.
  • Mindestens zwei Saisons vergleichen, da Witterungseinflusse einzelne Jahre überlagern.
  • Fotos zu festgelegten Terminen (Pflanzung, Blüte, Ernte) sichern Vergleichbarkeit.

 

6. Ausblick: Artikel 4 und das Pflanzauswahl-Werkzeug

Artikel 4 behandelt den Bodenaufbau als Voraussetzung für funktionierende Mischkulturen: Kompost, Hügelbeete und Mulch schaffen die Bodenbedingungen, unter denen die hier beschriebenen Synergien erst vollständig wirksam werden. Artikel 7 stellt ein interaktives Werkzeug zur Verfügung, das auf der ausgewerteten Freund-Feind-Matrix basiert und Kombinationsvorschläge nach Standort, USDA-Zone und Zielstellung filtert.


 

Literatur und Quellen

  1. Becker-Dillingen, J. (1956). Handbuch des gesamten Gemüsebaues. 6. Aufl. Paul Parey, Berlin.
  2. Putnam, A. R. & Tang, C. S. (Hrsg.) (1986). The Science of Allelopathy. Wiley, New York.
  3. Peoples, M. B. et al. (1995). Biological nitrogen fixation: An efficient source of nitrogen for sustainable agricultural production? Plant and Soil, 174(1), 3–28.
  4. Gliessman, S. R. (2007). Agroecology: The Ecology of Sustainable Food Systems. 2. Aufl. CRC Press, Boca Raton. Kapitel 13.
  5. Finch, S. & Collier, R. H. (2000). Host-plant selection by insects — a theory based on appropriate/inappropriate landings. Entomologia Experimentalis et Applicata, 96(2), 91–102.
  6. Cook, S. M. et al. (2007). Companion cropping can affect host selection by the pollen beetle. Ecological Entomology, 32(5), 546–551.
  7. Mt. Pleasant, J. (2006). The science behind the Three Sisters mound system. Histories of Maize (Hrsg. Staller et al.). Academic Press, Burlington. S. 529–537.
  8. Riotte, L. (1998). Carrots Love Tomatoes: Secrets of Companion Planting for Successful Gardening. Storey Publishing, North Adams.
  9. Pfeiffer, E. (2010). Mischkulturen im Biogarten. Ulmer Verlag, Stuttgart.
  10. Zehnder, G. et al. (2007). Arthropod pest management in organic crops. Annual Review of Entomology, 52, 57–80.
  11. Bild: Album Vilmorin. Le Jardin Potager / The Vegetable Garden, no. 13 (1862)
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